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Verfahren der EU-Kommission gegen Google läuft

Premium Position oder „unter ferner liefen“ – das ist die Frage. Die Frage, mit der sich seit 30. November 2010 die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel beschäftigen. Nachdem mehrere Beschwerden gegen Google eingingen, leitete die EU-Kommission Ende November ein Missbrauchsverfahren ein. Auch der vft hat sich mit einer Beschwerde an die Wettbewerbshüter in Brüssel gewandt.

Warum? Weil nicht nur unser Verband dem Internetriesen mit den bunten Buchstaben vorwirft, standardmäßig eigene Angebote auf die Top-Positionen der organischen Ergebnisliste zu setzen. Unsere Analyse hat ergeben: Fast immer, wenn ein User eine Branche in Verbindung mit Ort oder Postleitzahl in die Suchmaschine eingibt, wenn er also eine Lokale Suche auslöst, erhält er Google-Ergebnisse prominent oben angezeigt – und nicht etwa Ergebnisse aus allen möglichen Lokalen Suchportalen. Diese erscheinen erst weiter unten, oft bzw. bei Bildschirmen von durchschnittlicher Größe nur, wenn gescrollt wird. Zufall oder Absicht?

Spannend: Die EU-Behörde in Belgien hat Erfahrung mit IT-Giganten und schaut ganz genau hin. Denn Google steht im Verdacht, seine Marktmacht im Suchmaschinen-Geschäft missbraucht zu haben – und zwar nicht nur bei der Produkt-, sondern bei der Onlinesuche allgemein, wie aus dem genauen Wortlaut der Europäischen Kommission deutlich wird. „Die Einleitung des Verfahrens folgt Beschwerden von Anbietern von Suchdiensten über die Benachteiligung ihrer Dienste in den unbezahlten und bezahlten Suchergebnissen von Google, zusammen mit der möglicherweise bevorzugten Platzierung von Googles eigenen Diensten.“ heißt es weiter. Wir sind gespannt, ob wir mit unserer offensiven Vorgehensweise ein wenig dazu beitragen können, die objektive Onlinesuche wieder zu dem zu machen, was sie sein sollte: Eine Hilfe für den Internetnutzer, der mal eben einen Klempner in Köln sucht, einen Bäcker in Berlin oder einen Friseur in Frankfurt.


Die Chronologie im Überblick:

- Februar 2010. Beschwerden der britischen Preisvergleichs-Seite Foundem, die Justizsuchmaschine ejustice.fr und das zu Microsoft gehörende deutsche Verbraucherportal Ciao gehen in Brüssel ein.

>> www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,679936,00.html


- Oktober 2010. Der vft übermittelt seine offizielle Beschwerde nach Brüssel. Darin heißt es u. a.: „(...) Google missbraucht seine marktbeherrschende Stellung bei Internetsuchmaschinen, um im benachbarten Markt der Lokalen Suche mit Google Maps (auch) eine marktbeherrschende Stellung zu erobern.“ Auch der angebliche „better content“ von Google, also qualitativ bessere Daten, aufgrund derer Ergebnisse ausgegeben werden, werden vom Verband in Frage gestellt.


- November 2010. Die Europäische Kommission beschließt, ein kartellrechtliches Prüfverfahren gegen Google einzuleiten. Ergebnisse werden erst in einigen Monaten erwartet.

>> www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731984,00.html


- Dezember 2010. Die Wettbewerbshüter weiten das Verfahren gegen Google nach Beschwerden deutscher Verleger aus. Geprüft wird, ob Google bei der Onlinesuche Ergebnisse manipuliert hat, um eigene Dienste wie Google Maps und Google News bei den Treffern an vorderster Stelle zu platzieren.

>> www.macwelt.de/artikel/_News/374895eu_weitet_verfahren_gegen_google_aus/1


- Januar 2011. Die EU befragt andere Suchmaschinen und Internetfirmen, um genaueren Einblick in Googles Verhalten zu gewinnen. Die an Wettbewerber und Kunden verschickten Fragebögen sollen Aufschluss geben, ob ihnen „plötzliche und gravierende Veränderungen bei ihrer Einstufung in den Google-Suchergebnissen aufgefallen sind.“

>> http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1092121

 

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